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16.08.11 22:23 Alter: 6 yrs

Brief an Justizministerin Dr. Beatrix Karl

 

Sehr geehrte Frau Bundesministerin!

Das in Österreich übliche „Heim erster Ordnung“ basiert auf Bowlby's Bindungstheorien der 50er Jahre, die bereits wenige Jahre nach ihrer Veröffentlichung von ihm selbst korrigiert und als unrichtig befunden wurden.

Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, wird in Österreich noch immer nach dem „besseren“ Elternteil gesucht, der die Kinder nach der Trennung betreuen soll. Nein, genauer gesagt, es wird nicht gesucht, die Mutter bekommt fast ausnahmslos die Kinder zugesprochen, auch wenn der Vater (Karenzvater) gegebenenfalls sogar besser geeignet ist, da er schon vorher die Kinder betreut hat.

Diese, ursprünglich unrichtige Annahme, wonach es im Leben eines Kindes nur eine Bezugsperson geben kann, hat dazu geführt, dass bei vielen Trennungen die Väter bis heute aus dem Leben der eigenen Kinder verbannt werden. Somit wurde und wird ein unnatürlicher Familienstand der Alleinerzieherin geschaffen, der die alleinige Last der Kindererziehung der Mutter auferlegt. Alleinerzieherinnen suchen und fordern mehr denn je, Unterstützung durch Kinderbetreuungsstätten, Freundinnen und Großeltern, denen es sehr wohl gestatten wird, eine Rolle als weitere Bezugspersonen zu übernehmen, die dem eigenen Vater nicht zugestanden wird.

Vätern, denen nur mehr die Aufgabe eines 14-tätigen Eventmanagers zugestanden wird, sind nicht mehr in der Lage ihre Kinder an ihrem Leben teilhaben zu lassen, ihnen ihre Werte, ihre Identität und ihre Fähigkeiten zu vermitteln.

Heute werden mangels Nachfolger Familienbetriebe geschlossen, die früher voller Stolz von Kindern weitergeführt wurden, da sie von klein auf am Leben des Vaters teilnehmen und spielerisch am Rande den Betrieb kennen lernen konnten.

Während es Müttern von Geburt an zugestanden wird ihre Kinder zu betreuen, sehen sich Väter - die ihre Kinder betreuen wollen - mit einem Apparat von Behörden konfrontiert, der sich daran orientiert was seit Jahrzehnten üblich ist.

Väter, die in neuer Partnerschaft ohne weiterer Prüfung Kinder fremder Männer in ihrem Haushalt betreuen dürfen, müssen demütigende, teure Gutachten über sich ergehen lassen, die ihren Geisteszustand hinterfragen und klären sollen, in wie weit eine Betreuung der eigenen Kinder schädlich sein könnte. Um am Schluss wieder das minimale Umgangsrecht zugesprochen zu bekommen, das seit jeher üblich ist.

Viele europäische Staaten haben ihr Rechtssystem an die modernen Gegebenheiten angepasst und versuchen den Kindern trotz Trennung beide Elternteile als vollwertige Bezugsperson zu erhalten. Österreich, das schon lange zum absoluten konservativen Schlusslicht abgerutscht ist, sieht im aktuellen Entwurf zur Familienrechtsreform 2012 nicht einmal annähernd die Mindeststandards vieler europäischer Staaten vor.

Eine Familienrechtsreform darf sich nicht, wie der aktuell vorliegende Entwurf, an den in Österreich herrschenden Substandards orientieren und nur darauf abzielen, die notwendigsten Standards zu erfüllen, um gerade noch eine weitere Verurteilung durch den EGMR zu verhindern. Im Sinne der Kinder müssen die längst überholten Ideologien aus dem letzten Jahrhundert über Bord geworfen werden. Ein Kind hat einen Vater und eine Mutter, beide sind unterschiedlich und werden ihre Kinder anders erziehen. Beide haben Werte, Fähigkeiten und Ideale, die eine Bereicherung für die Kinder darstellt. Nur Kinder die von beiden Elternteilen betreut werden, können von all diesen Fähigkeiten profitieren. Außer politischen Motiven gibt es keine Rechtfertigung dafür, warum Väter weiterhin wie „Menschen zweiter Klasse“ behandelt werden sollen.

Daher darf ein Gesetzestext nicht nur, wie im bisherigen Entwurf, in einem kleinen Beisatz die Möglichkeit einer Betreuung durch beide Elternteile erahnen lassen. Viel mehr muss klar und unmissverständlich eine gleichwertige Betreuung der Kinder durch beide Elternteile das bevorzugte Modell sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ing. Norbert Grabner

Bundesleiter vaterverbot.at

 


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