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29.07.12 22:30 Alter: 6 yrs

Die gemeinsame Obsorge ist eine Waffe für den Machtkampf Gastkommentar von Andrea Mautz in der "Presse" vom 26. 7. 2012

 

Ursache und Wirkung werden in diesem Gastkommentar auf geradezu abenteuerliche Weise vertauscht. Die Autorin stellt fest, dass sich Eltern nach der Trennung oft bis aufs Blut bekriegen und ortet als Waffe im Machtkampf die automatische gemeinsame Obsorge, die es aber noch gar nicht gibt!

Sie ignoriert völlig, dass es in all den Auseinandersetzungen jedem Elternteil um die alleinige Obsorge geht. Sie ist auch nicht Waffe, sondern Ziel. Gäbe es die automatische gemeinsame Obsorge bereits, müsste auch nicht um das Sorgerecht gekämpft werden.

Warum aber kämpfen Eltern so verzweifelt und erbittert um die Obsorge? Es geht dabei um sehr viel, denn das Sorgerecht gewichtet zwischen den Eltern. Es gibt dem Sorgeberechtigten Allmacht über Kinder, Partner und Alimente. Das Jugendamt folgt in der Regel seiner Argumentation. Der nicht obsorgeberechtigte, aber zahlende Elternteil muss ständig um sein Besuchsrecht bangen und ist von den Launen des Ex-Partners abhängig. Er trägt allein den zeitlichen und finanziellen Aufwand der Hin- und Rückreise vor und nach dem Besuch, während der andere übersiedeln darf, wohin er will. Seine Zahlungen werden vom Gehalt nicht abgerechnet, weshalb er im Gegensatz zum Sorgeberechtigten bei Gericht ebensowenig Chance auf Verfahrenshilfe wie beim Sozialamt auf eine billige Wohnung hat, auch wenn er die Kinder regelmäßig betreut. Seine Betreuung zählt nicht. Er wird zur Vollzeit-Erwerbstätigkeit "angespannt". Er kann bis unter das Existenzminimum gepfändet werden und sich kaum mehr ein neues, menschenwürdiges Leben aufbauen. Dieses Schicksal trifft in der Regel den Vater.

Mautz unterstellt Vätern pauschal, Frauen in die Erzieherinnenrolle zu "drängen", obwohl Studien belegen, dass Mütter ihre Kinder mehrheitlich selbst erziehen wollen. Sie maßt sich an, Väter nach der Häufigkeit des Windelwechselns zu beurteilen, die Finanzierung der Familie abzuwerten und die freie Entscheidung der Paare für ihre Zwecke umzudeuten.

 

Und so stellt sich die Bundesgeschäftsführerin der SPÖ-Frauen Familienleben vor: "Frau und Mann in Vollbeschäftigung"!

Das ist Fortschritt nach DDR-Muster!

 

Brigitte Kashofer

 


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