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12.02.11 18:40 Alter: 7 yrs

Menschenrechtsgericht rügt Deutschlands Umgang mit ledigem Vater

 

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Deutschland abermals wegen Missachtung der Rechte eines ledigen Vaters gerügt. Der heute 51-jährige Grieche hatte vor deutschen Gerichten sechseinhalb Jahre lang vergeblich um das Recht auf Umgang mit seinem Sohn gekämpft. Die Straßburger Richter stellten nun am Donnerstag Verstöße gegen die Grundrechte auf Schutz des Familienlebens und auf ein faires Gerichtsverfahren fest. Deutschland muss dem Mann 7000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

 

Die Mutter hatte sich Anfang 1996, als der Junge neun Monate alt war, von dem Vater getrennt. Anschließend heiratete sie und unternahm alles, um einen Umgang des Kindes mit dem Vater zu unterbinden. Der Mann zog in Deutschland durch alle Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht, ohne ein regelmäßiges Umgangsrecht zu erhalten.

 

Die deutsche Justiz erkannte zwar an, dass die Mutter bewusst den Zugang des Mannes zu seinem Kind blockierte. Zugleich argumentierte sie aber, unter diesen Umständen sei ein angeordneter Umgang des Jungen mit seinem leiblichen Vater nicht im Interesse des "Kindeswohls". Sie stützte diese These auch auf den Umstand, dass die Frau dem Kind die Existenz seines wirklichen Vaters verschwiegen hatte. Der Junge halte den Ehemann der Mutter für seinen Vater, die Konfrontation mit einem "zweiten Vater" würde ihn einem "zu großen Stress" aussetzen, hieß es in einem Urteil aus Köln. Diese Entscheidung wurde im Juli 2005 vom Bundesverfassungsgericht gebilligt.

 

Der Straßburger Gerichtshof rügte vor allem die lange Verfahrensdauer. Die deutsche Justiz habe damit in Kauf genommen, dass der Junge von seinem leiblichen Vater abgeschnitten wurde. Das Recht eines Kindes auf Umgang mit beiden Eltern dürfe aber nicht den Interessen eines der beiden Elternteile geopfert werden.


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