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Verfasst am: 22. 07. 10 [17:54]
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Otto
Themenersteller
Dabei seit: 10.12.2009
Beiträge: 128
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An dieser Stelle würde ich gern Fachliteratur veröffentlichen zu den Themen "Borderline" und "Narzissmus" und damit verbundene Eltern-Kind-Umgangsvereitelung oder -Umgangsboykott. Es wird in dem Zusammenhang auch von "Nazisstischem Mißbrauch von Kindern" gesprochen. Ich bitte um Ergänzung mit gut lesbaren Fachbeiträgen von anerkannten Autoren. Bitte an dieser Stelle keine persönlichen Berichte schreiben, damit es nicht unübersichtlich wird. Lug und Trug gilt als verbürgte Wahrheit, während man die Wirklichkeit nur vom Hörensagen kennt. (Thoreau: Walden)
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Verfasst am: 22. 07. 10 [18:29]
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Otto
Themenersteller
Dabei seit: 10.12.2009
Beiträge: 128
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1. Beitrag. Quelle siehe Beitragsende. (Hervorhebungen durch Otto) Narzisstische Mütter und ihr Mißbrauch der Kinder Unter "narzisstischem Mißbrauch"« verstehe ich Beziehungskonstellationen zwischen Mutter und Kind, in denen die Befriedigung der narzisstischen Bedürfnisse der Mutter unter Ausnutzung der Abhängigkeit des Kindes im Vordergrund steht. Narzisstisch ausbeuterische Beziehungen zeichnen sich durch ihren symbiotischen Charakter aus: Das Kind ist sozusagen ein von der Mutter geschaffenes "Ding", das sie wie einen unabgegrenzten Teil ihrer selbst erlebt, über den sie beliebig verfügen kann. Sie kann das Kind nicht als eigenständiges Wesen wahrnehmen und in seiner Eigenart anerkennen; statt dessen stülpt sie ihm narzisstische Bedeutungen über, die auf ihre eigene Person bezogen sind; sie idealisiert das Kind und spricht ihm Eigenschaften und Verhaltensweisen zu, die allein ihren Vorstellungen darüber, wie das Kind sein sollte, entspringen. Das Kind hat in einer solchen Beziehung die Aufgabe, das als mangelhaft empfundene Ich der Mutter zu vervollständigen und das "Loch im Ich" der Mutter wie eine Plombe zu füllen. Zuwendung erfährt es nur, insoweit es den Erwartungen der Mutter entspricht. Autonomiebestrebungen des Kindes werden unterbunden, bestraft und mit der Erzeugung von Schuldgefühlen belastet bzw. nur soweit zugelassen, wie sie im Dienste der mütterlichen Bedürfnisbefriedigung narzisstisch ausbeutbar sind. Jedes Abweichen von den Erwartungen der Mutter wird von ihr als verletzender oder aggressiver Akt, als Ausdruck der Verrats empfunden. Innere wie äußere Trennungen aber müssen um jeden Preis vermieden werden. Daher entbrennt ein Machtkampf nicht nur hinsichtlich des Verhaltens des Kindes, sondern auch hinsichtlich der Kontrolle seiner Gefühle und Gedanken. Die Mutter ist davon überzeugt, das Kind besser zu kennen, als es sich selber kennt. Besser als das Kind meint sie zu wissen, was es wirklich denkt, fühlt, will und braucht und was es es demzufolge zu denken, zu fühlen, zu wollen und zu tun hat. Es reicht ihr aber nicht aus, ihren Erwartungen lediglich beugt: Es soll selber wollen, was es soll, sich also ganz und gar mit dem Bild, das sie von ihm entworfen hat, identifizieren, und sei es ihm auch noch so wesensfremd. Negative Gefühle wie Verletztheit, Ärger, Wut und Hass sind dem Kind nicht bzw. nur insoweit, als sie auch für die Mutter einen Zweck erfüllen, gestattet. da sie eine Art von Abgrenzung darstellen, die Konflikt und damit zumindest vorübergehend innere Trennung mit sich bringt. Hinsichtlich eigener Gefühle und Bedürfnisse unterliegt das Kind einem regelrechten Denk- und Wahrnehmungsverbot, und da es sie weder wahrnimmt noch zum Ausdruck bringen darf, erlebt es diese Gefühle als nicht zu sich gehörig und insofern als unwirklich. Irgendwann wird es sie schließlich gar nicht mehr identifizieren können; statt dessen wird es fühlen, was es meint fühlen zu müssen, und diese fremdbestimmten Regungen wird es mit authentischen Gefühlen verwechseln. Um die Wünsche und Erwartungen der Mutter erfüllen und befriedigen zu können, muß das Kind unter Verzicht auf innere und äußere Abgrenzung sein Selbst verraten und sich für die Mutter verfügbar halten, zumal sie dem Kind vermittelt, daß sie es dringend braucht. Im Zusammenhang mit derartigen Loyalitätsbindungen entstehen stark verflochtene emotionale Beziehungen, die schwer bis kaum noch lösbare Abhängigkeiten erzeugen. Die Beziehung der Mutter zu ihrem Kind ist dabei notwendig ambivalent; sie hat dem Kind gegenüber eine ausgesprochene Anspruchshaltung, von der es in jedem Falle überfordert ist, und sie idealisiert es auf eine Art und Weise, die aufgrund der tatsächlichen Unvollkommenheit des Kindes zwangsläufig zu Enttäuschungen führen muß. Während der Idealisierung des Kindes im Verhalten der Mutter Pseudo-Nähe entspricht, die nicht das wirkliche Kind, sondern das auf das Kind projizierte Ideal der Mutter meint, entspricht der unausbleiblichen Enttäuschung über die Unvollkommenheit des Kindes ein Verhalten, das durch plötzlichen Rückzug und kühle Distanz gekennzeichnet ist. Die Wechsel zwischen Pseudo-Nähe und Rückzug sind abrupt, das Verhalten der Mutter ist in hohem Maße inkonsistent und für das Kind nicht vorhersehbar. Infolgedessen wird sein Vertrauen in die Verläßlichkeit der Umwelt und damit auch sein Selbstvertrauen empfindlich geschädigt. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen spürt das Kind, daß es nicht um seiner selbst willen geliebt wird; es spürt die feindseligen Impulse, und es spürt, daß es für fremde Zwecke benutzt wird. Die Wirklichkeit erscheint ihm unzuverlässig und doppelbödig: Hinter der von der Mutter behaupteten liebevollen Qualität der Beziehung verbirgt sich eine andere Wahrheit, eine zweite Wirklichkeit. Die Realität gewinnt für das Kind keine klar umrissenen Konturen, und die Existenz dieser "»doppelten Wirklichkeit" erzeugt in ihm tiefe Unsicherheit in bezug auf die eigenen Wahrnehmungen und Gefühle, da diese den Interpretationen der Mutter zuwiderlaufen. Letztendlich wird das auf das Wohlwollen der Mutter angewiesene Kind gezwungen sein, ihre Interpretationen zu übernehmen, um bedrohliche Konflikte zu vermeiden: Zu der emotionalen Verlassenheit durch die Mutter tritt die dem Kind aufgenötigte Selbstverlassenheit und Selbstentfremdung. In der Summe unterliegt das Kind dem Diktum eines Individuationsverbotes. Das Recht auf ein eigenes Selbst wird ihm abgesprochen; an dessen Stelle tritt im Laufe der Zeit ein unter enormem Anpassungs- und Loyalitätsdruck entstandenes "falsches Selbst". Authentische ethisch-moralische Maßstäbe haben in diesem "falschen Selbst" keinen Platz, weil Werte und Normen nicht in Selbstverantwortung und Freiheit erworben werden konnten, sondern immer nur als fremdbestimmt und aufgezwungen erlebt wurden. Da die Grunderfahrung eines narzisstisch mißbrauchten Kindes darin besteht, daß in einer Beziehung zu einem anderen Menschen immer nur Platz für ein Ich ist, kann es sich Beziehungen zu anderen Menschen nur in der Polarität von Unterwerfung und Herrschaft vorstellen, Liebe und Bindung sind auf diesem Hintergrund nicht oder nur in verzerrten und destruktiven Ausprägungen lebbar. Da die Erfahrung besagt, daß sowohl Liebe als auch Bindung Mittel zum Zwecke der Ausbeutung, Manipulation und Kontrolle sind, ist jeder Versuch, Nähe und Intimität zuzulassen, zum Scheitern verurteilt, weil er mit der Angst vor erneuter identitätsvernichtender Vereinnahmung unlösbar verbunden ist. Quellen: Täterinnen. Offene und versteckte Aggression von Frauen Heyne, Claudia: Kreuz Verlag Zürich 1993, 385 S., ISBN 3-268-00145-9 Kapitel 1: "Die Mütter: Gesellschaftliche Ohnmacht und persönliche Macht." Kapitel 4: "Die sanfte Gewalt: Narzisstischer Mißbrauch" Weitere Literatur: "Narzisstischer Missbrauch durch Mütter" Volker Elis Pilgrim, "Du kannst mich ruhig Frau Hitler nennen" Pilgrim, Volker Elis: Muttersöhne. Düsseldorf 1986 [Theorie zur physischen Gewalt von Männern] Narzissmus.NET - Das Portal für und über narzisstische Persönlichkeitsstörungen! http://www.narzissmus.net Powered by Joomla! Generiert: 13 November, 2009, 21:37 Lug und Trug gilt als verbürgte Wahrheit, während man die Wirklichkeit nur vom Hörensagen kennt. (Thoreau: Walden)
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Verfasst am: 22. 07. 10 [22:56]
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Otto
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Beiträge: 128
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2. Beitrag. Quelle: Josefvater, Vaterforum, Persönliche Themen, "Wohin wendet man(n) sich?" 3.Juni 2010. (Hervorhebungen durch Otto) Das Erkennen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung Egozentrismus: Narzissten spielen sich gerne in den Mittelpunkt. Sie reden so als kennen sie sich echt aus, wissen Bescheid. Sie „hören sich gerne reden“. Es gelingt ihnen erstaunlich, andere für ihre Interessen einzuspannen, sie für sich zu verpflichten. Sie nutzen andere aus, ohne Gegenleistung zu geben. Sie kündigen an, was Großartiges sie noch erreichen werden, was ihnen alles zusteht. Auserwählt sein: Narzissten halten sich für etwas Besonderes. Sie halten sich für Künstler, für besonders gescheit, für Analytiker der anderen. Sie suchen die Gegenwart der „Besseren Gesellschaft“, brüsten sich, wen sei alles kennen. Sie sind oft esoterisch vernarrt und hängen sektiererischen Kreisen an. Nur das Beste ist gut genug, das normale ist ihnen zu nieder, so wird sogar das Banalste außergewöhnlich, damit sie sich damit schmücken können. „Radfahrer“ – Nach oben kriechen, nach unten treten: Narzissten suchen die Gesellschaft der Besseren, biedern sich an die Mächtigen an. Sind denen gegenüber sehr charmant, sind begnadete Verführer, wenn es gilt jemanden zum eigenen Nutzen für sich einzunehmen. Richter, Jugendämter, Gutachter fallen leicht darauf rein… Hingegen sind „Normale“ ihrer beißenden Kritik ausgesetzt, sie überschütten sie mit zynischem Spott. Narzisstische Eltern „pathologisieren“ gerne ihre Kinder. Sie dichten ihnen alle möglichen Krankheiten an, um sie schwach und abhängig zu machen und sich dabei selber mächtig und wichtig zu fühlen. Die Extremform ist das Münchhausen by proxy-Syndrom. Empathieunfähigkeit: Narzissten können nicht nachfühlen wie es anderen geht. Sie fügen Verletzungen zu, weil sie den anderen nicht spüren können, was ihn kränkt. Sie sind nicht in der Lage, zuzuhören, hören nur solange zu, wie sie sich damit in den Mittelpunkt stellen können. Hat jemand ein schweres Schicksal, so ist er „selber daran schuld“. Sie können nicht Mitleid haben, z.B. wird ihr Partner krank, fassen sie das als Angriff auf sie selber auf. Man kann mit ihnen nicht reden, sie hören nicht zu, höchstens lauernd, um einen eignen Vorteil zu ziehen oder einen Angriffspunkt an den anderen zu finden. Empathieunfähige Eltern erziehen Kinder dazu, ständig aufzupassen, dass sie diese Eltern nicht kränken und ihre Gunst nicht verlieren. Geht es Kindern schlecht, ziehen sie sich zurück und lassen sie sie allein damit, was die Kinder bewegt, um ihre Gunst zu buhlen. Ständige Kampfbereitschaft: Narzissten können sich nicht unbeschwert „fallen lassen“. Man hört sie kaum lachen, wenn dann vor Schadenfreude. Sie verdächtigen gerne, sie trauen den anderen genau jene Niedertracht zu, zu der sie selber fähig sind. Narzissten verraten sich dadurch selber – das was sie anderen unterstellen, haben sie oft selber getan! (Zb. Ehebruch). Gefährlich wird es für die Opfer, wenn sie diese Vorwürfe wirklich für sich ernst nehmen, es kann ihre eigene Persönlichkeit zerstören! In Gegenwart von Narzissten fühlt man sich nicht wohl, sondern immer irgendwie im Streß. Man spürt sie unangenehm im Rücken. Narzissten sind niemals zufrieden, sie wollen immer das andere, anstatt Erreichtes zu genießen. Typisch sind auch Wegweisungssituationen: sie sind selber aggressiv und gewalttätig, können es aber so verdrehen und provozieren, dass ihre Opfer weggewiesen werden. Verantwortungslosigkeit: Narzissten geben für alles immer anderen die Schuld. Sie können keine Vereinbarungen einhalten, fühlen sich an Verträge nicht gebunden. Pflichten sind für sie persönliche Kränkungen. Weil sie nirgends verantwortlich sein können, konstruieren sie sich die Realität immer neu nach ihrem Bedarf. Sie „drehen einem das Wort im Mund um“, sie haben kein Problem, sich binnen Sekunden mit gegenteiligen Aussagen selber zu widersprechen. Sie wollen sich nicht festlegen lassen, weil sie dann Macht verlieren könnten. Sie verunsichern alle, weil das, was sie sagen, widerspricht völlig dem, was sie tun. Kommunikationsmacht: Narzissten können kein echtes Gespräch führen. Passt es ihnen nicht, verweigern sie jedes Gespräch, gibt man ihnen nicht recht, werfen sie einem Aggressivität vor. Sie verweigern zB Mediation, weil sie sich festlegen müssen. Sie treffen keine klaren Aussagen, sondern machen Andeutungen, um Macht zu signalisieren (“ich weiß genau, was du denkst“). Sie verwirren jedes Gespräch, lenken ab, um nicht verantwortlich und festgelegt zu werden. Kritik können sie nicht annehmen, aber im Austeilen sind sie großartig. Damit halten sie die Macht über die Kommunikation fest. Opferrolle: Narzissten stellen sich gerne als Opfer ihrer Partner dar. Sie bringen ihre Partner in Streß, weil es immer zuwenig und das Falsche ist, was sie tun. („Wenn du mich lieben würdest, würdest du Knoblauch mögen“). Der Partner hetzt ständig hinterher, es dem Narzissten recht zu machen. Ursache und Wirkung der narzisstischen Störung: Die narzisstische Störung hat ihre Ursache in der Kindheit. Es sind Menschen mit einer eigentlichen großen inneren Leere, vor der sie Angst haben, und die sie immer auffüllen müssen. Daher saugen sie ihre Mitmenschen aus, „stehlen“ sich von denen ihre Identität. Am Anfang von Beziehungen sind sie schmeichelnde Verführer, weil sie sich von der Persönlichkeit anderer nähren müssen. Ist dieser aber ausgesaugt und kann er nichts mehr geben, wird er gehasst und verfolgt, muss er vernichtet werden. Der Narzisst ist sich selber innerlich so unsicher, dass er sich ständig im Kampf befindet. Er ist ständig damit befasst, „sich zu schützen“, und kann daher keine eigenen Fehler zugeben. Er kann kein Fehlverhalten eingestehen und korrigieren. Dadurch geht er keine Kompromisse ein und zwingt andere dazu, ihnen entgegenzukommen. Narzissmus ist in der Jugend noch wenig ausgeprägt, kommt dann um die midlife-crisis (zwischen 35 und 45) aber zur Vollblüte. Im höheren Alter führt er zur bitteren Vereinsamung, weil niemand mehr verführt werden kann und alle den Narzissten meiden. Das Fatale für die Kinder: Narzissten brauchen die Kinder, um ihr eigenes Ego aufrecht zu erhalten und zu nähren. Kinder sind ihr Besitz. Kinder fühlen sich für sie und ihr Wohlergehen verantwortlich, im Loyalitätskonflikt entscheiden sie sich für den Narzissten, um ihn zu stützen und nicht zu verlieren. Kinder können dabei aber nicht einfach sie selber sein, ihre eigene Identität entwickeln. So entsteht in Ihnen jene innere Leere, die sie selber wieder zu narzisstisch gestörten Persönlichkeiten macht. Ergänzende Frage von Rudolf: Danke Josef für diesen Beitrag „Das Erkennen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung“. Mit „Narzissmus“ (und mit "Borderline") sind wir wohl beim Kern der Sache - zumindest was den Umgangsboykott betrifft. In der Beschreibung fand ich in vielen Punkten meine mich ausgrenzende, und damit den Umgang mit meinen Kindern boykottierende Ex, haarscharf getroffen. Aber nicht nur sie, auch mich selbst fand ich in der Beschreibung einiger narzisstischer Elemente. Mich selbst kritisch anschauen kann nicht schaden, so kann ich andere Narzissten besser verstehen. Wie ist der Zusammenhang von „Narzissmus“ und „Borderline“? Sind es wie die zwei Seiten einer Medaille? Borderline geht wohl noch mehr ins Krankhafte, mit Selbstverletzungen, Suizidversuchen usw., während „nur“ narzisstische Menschen vielleicht sozial teilweise unauffällig sein können (wenn man nicht genau hinschaut). Ergänzung von Josefater am 4.Juni 2010: Lieber Rudolf, wie alle Wissenschaft, ist mein Beitrag einerseits eine Abschreibübung aus diversen Literaturstellen zum Narzissmus, andererseits eine Reflexion eigener empirischer Erfahrungen. Und schreiben hilft immer einen selber, die Welt zu verstehen. und wenn man sich einigermaßen versteht, kann man auch andere verstehen. Ja, natürlich haben wir alle viele narzisstische Elemente in uns, die wir einfach wie andere unserer Schwächen kennen sollten. Es gibt halt wie in der gesamten Psychologie fließende Grenzen, hier eben zwischen gesundem Selbstwert und kranker narzisstischer Störung. Für die Diagnose müssen immer mehrere dieser Kriterien zusammenkommen. Natürlich gibt es auch verwandte psychische Störungen, wobei sich Borderline eher durch Kontrollverlust und Selbstverletzung definiert, Narzissten hingegen immer auf das eigene Wohl bedacht sind und ständig um ihre Selbstkontrolle kämpfen. Und bei Borderline wiederum gibt es fließende Grenzen zur Schizophrenie und zur bipolaren (manisch-depressiven) Störung. Hingegen kann sich hinter Narzissmus auch eine ganz tiefe Depression verbergen, die ständig niedergehalten werden muss. Wann etwas wirklich krankhaft ist, läßt sich daher oft kaum sagen, liest man psychiatrische Gutachten, so merkt man schnell, dass auch Psychiater als blinde im Wald herumirren. Es gibt aber eine ganz einfache, uralte Erklärung für krankhaftes Verhalten: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu". Wer also nicht mehr erkennt, dass er andere schädigt, dessen Verhalten ist einfach als gestört zu betrachten. Warum Richter und Sozialarbeiter das nicht erkennen und berücksichtigen, ist auch ganz einfach: einerseits wollen sie sich das Leben leicht machen und sagen "Im Zweifel immer für die Mutter". Andererseits verweigern sie die Verantwortung, und tun so wie Jugendamt oder Gutachter entscheiden. Dieses gegenseitige Zuschieben der Verantwortung ist überhaupt das fatalste, weil es verhindert, dass die sich wirklich intensiv mit den Fällen beschäftigen. So entstehen auch die schlimmsten Verbrechen: Der Täter hat auf "Befehl" gehandelt, der Befehler hat ja niemandem was selber getan. Verantwortung und Schuld verschwimmen... [Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 22.07.2010 um 23:01.] Lug und Trug gilt als verbürgte Wahrheit, während man die Wirklichkeit nur vom Hörensagen kennt. (Thoreau: Walden)
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Verfasst am: 25. 07. 10 [13:09]
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Thomas4
Dabei seit: 12.07.2010
Beiträge: 7
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Ich finde es gut, anhand der Fachbeiträge selbst erkennen zu können, daß man an einen Narzissten/in geraten ist. Nachdem es dazu generell immer 2 Seiten gibt, stellt sich die Frage: Warum habe ich mir so eine Person ausgesucht und in mein Leben geholt, was ist mein Anteil daran und was kann ich an mir verändern? Es nützt nichts sich als Opfer zu fühlen und dem Täter die Verantwaortung für die Beziehung zugeben und Ihn/Sie ändern zu wollen! Es geht darum sich selbst zu verstehen und Verantwortung für das eigene "Opfer sein" zu übernehmen und dann sein eigenes Verhalten zu ändern. Dazu habe ich folgenden Beitrag gefunden: Ko-Narzissmus/ Narzisstische Fusion Wer über Narzissmus spricht, darf vom Ko-Narzissmus nicht schweigen. Dies sind die beiden Seiten einer Medaille. Ein Narzisst neigt dazu, andere Menschen mit Haut und Haaren zu vereinnahmen. Die Psychoanalyse spricht hier von einer "Narzisstischen Fusion". Für diese Zweierbeziehung ist charakteristisch, dass sich das Opfer in dieser Form der Beziehung den oft maßlosen Bedürfnissen des Narzissten widerstandslos unterordnen muss. Der Narzisst beherrscht dabei alle erdenklichen Psycho-Tricks, um sein Opfer in dieser Fusion zu halten. Ausbruchsversuche führen zu bösartigsten Reaktionen. Nun sollte man meinen, dass sich kein normaler Mensch in eine solche Beziehung zwingen lässt. Es gibt allerdings Menschen, die solchen Zumutungen keinen ausreichenden Widerstand entgegen setzen können: die Ko- Narzissten. Häufig wurden diese Menschen bereits in früher Kindheit Opfer eines narzisstischen Elternteils oder eines anderen bedeutsamen Interaktionspartners. Sie wurden also von einem Narzissten zu einem Ko- Narzissten regelrecht abgerichtet. Die Ko-Narzissten wurden durch die Zumutungen, Demütigungen und seelischen Misshandlungen, die unweigerlich mit der Fusion verbunden sind, zum Teil erheblich traumatisiert. Traumatisierte neigen zum Wiederholungszwang. Dies bedeutet, dass sie das ideale Opfer sind für Narzissten, die nach einem Partner für eine Fusion suchen. Narzissten und Ko-Narzissten unterliegen derselben Psychodynamik. Der Narzisst fühlt sich hundeelend, wenn seine maßlosen Bedürfnisse nach Zuwendung, Anerkennung, Aufmerksamkeit, bedingungsloser Unterordnung, kurz: Bestätigung des Selbstwerts nicht erfüllt werden. Der Ko-Narzisst fühlt sich schuldig und damit minderwertig, wenn er sich nicht für einen Narzissten aufreiben kann. Denn er hat von kleinauf gelernt, dass der Sinn seines Lebens darin besteht, sich für einen Narzissten aufzuopfern, weil dieser sonst Höllenqualen erdulden oder sogar sterben muss. Narzissten und Ko-Narzissten eint also die gestörte Selbstwertregulation. Darum passen sie so wunderbar zusammen. Eine Trennung der Fusion, ohne weitere Veränderungen, führt also in aller Regel dazu, dass sich beide Partner neue komplementäre Partner suchen. Das Spiel kann man auch ausweiten, zu einer narzisstischen Triole. Zu diesem Zwecke müssen sich nur Narzisst und Ko-Narzisst einen Partnertherapeuten mit Helfersyndrom suchen (Partnertherapeuten haben oft viel Erfahrung, weil sie schon als Kleinkindern im narzisstischen Clinch ihrer Eltern assistieren mussten und daher von Kindesbeinen wissen, welch schwere Last auf ihren Schultern ruht). Quelle: Herbert Hagebrecht / de.sci.psychologie siehe auch Buch: Narzissmus und Objektbeziehungen / Autor: Battegay, Raymond Also gehts darum selbst zu erkennen, daß man ein Recht auf ein eigenes Leben hat, sich nicht aussaugenn zu lassen (d.h. sich nicht missbrauchen zu lassen),sich selbst zu lieben, seinen eigenen Gefühlen zu vertrauen, zu lernen seine eigenen Bedürfnisse zu stillen und seine eigenen Wunden zu heilen. Und vor allem: klar abgrenzen und Widerstand leisten, auch mit Härte kämpfen, aussteigen aus den Machtspielchen - die Last abwerfen - und wenn nötig Trennen. Wenn der Narzisst sich und sein überzogenes Selbstbild, durch die Abgrenzungen in Frage gestellt sieht und nicht mehr saugen kann, wird er sehr wütend, hat kein Interesse mehr an der Beziehung und wird sich wahrscheinlich ein anderes Opfer suchen. (Also dickes Fell und warm anziehen.) |
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Verfasst am: 08. 08. 10 [23:07]
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Otto
Themenersteller
Dabei seit: 10.12.2009
Beiträge: 128
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4. Beitrag Dr. Walter Andritzky VERHALTENSMUSTER UND PERSÖNLICHKEITSSTRUKTUR ENTFREMDENDER ELTERN: PSYCHOSOZIALE DIAGNOSTIK UND ORIENTIERUNGSKRITERIEN FÜR INTERVENTIONEN (Willkürlicher wörtlicher Auszug mit Hervorhebungen, Kürzung auf etwa ein Drittel, von Rudolf Treiblmayr, 11. Juni 2010, gesamter Beitrag über Google zu finden an mehreren Orten) Zusammenfassung Der Beitrag untersucht Persönlichkeitsdynamik und Verhaltensmuster von Elternteilen, welche nach Scheidung/Trennung versuchen, den Kontakt eines Kindes zum anderen Elternteil z.B. durch Umgangsbehinderungen zu erschweren. Das für nicht beteiligte Beobachter und aus der Distanz oftmals unbegreifliche Mitagieren von Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Gerichtssachverständigen, Richtern, Verfahrenspflegern, Anwälten, Lehrern und KindergärtnerInnen mit den ‚Tricks‘ und Strategien entfremdender Eltern, kann nur vor dem Hintergrund eines tieferen Verständnisses für deren Persönlichkeits- und Familiendynamik und durch eine daraus abgeleitete Interventionsphilosophie überwunden werden. Es werden daher Kriterien entwickelt, um entfremdendes Verhalten nach Trennung/Scheidung frühzeitig erkennen und zum Wohle der betroffenen Kinder gegensteuern und ggf. die notwendigen Sorgerechts- und Umgangsregelungen einleiten zu können. Schlüsselwörter Scheidung – Borderline – Intervention – Sorgerecht – Umgangsrecht – Entfremdungssyndrom Einleitung ...Wo ein konsequentes Grenzensetzen erforderlich wäre, funktionalisieren entfremdende Eltern (eE) professionelle Helfer .... oft mit erstaunlicher Mühelosigkeit für die eigene Zielsetzung und Sichtweise des Elternstreits um.“ 1 Typische Verhaltensweisen entfremdender Eltern .... 1.1 Interaktionsdynamik beider Eltern ...Häufig sind auch Kommunikationsverweigerung und -reglementierung: Der entfremdende Elternteil (eE) weigert sich, über vom anderen Elternteil (aE) geäußerte Sorgen um das Kind (oftmals ärztliche, medizinische Dinge wie fehlende Zahnbehandlungen etc.) zu sprechen. Aufgrund seiner Hypersensibilität gegenüber Kritik kann der eE auch berechtigte Sorgen nur als Kritik an seiner Person wahrnehmen (etwas unterlassen oder falsch gemacht zu haben)... Handlungen des aE werden in abwertendem Sprachstil codiert... ....Bei Anhörungen von eE wird deutlich, dass jegliches selbstkritisches Moment in der Beziehungsschilderung fehlt, der eE stellt sich ausschließlich als Opfer dar (“Ich bin am Ende meiner Kräfte”, “Der aE will mich fertigmachen”, “Bin mit den Nerven fertig”). 1.2 Soziale Kontakte Bei geringem sozialem Netzwerk nach der Trennung (Fixierung auf eine Freundin oder die eigene Familie) werden Kontaktbedürfnisse des eE über das (institutionelle) Beziehungsumfeld des Kindes (u. a. Mütter-Treffs, Eltern anderer Kinder, Alleinerziehende-Vereine, Kinderärzte/-ärztinnen, Kindergarten- und Schulfeste) befriedigt. Zu mit den Kindern befassten Kindergärtnerinnen, Sozialarbeitern und Jugendgruppenleitern werden persönlich-freundschaftliche Beziehungen kultiviert. Oft sind es diese Personen, die bei späteren Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten Atteste und Bescheinigungen für die eE ausstellen. Das Kind fungiert im Sozialkontakt des eE als drittes Objekt und puffernder Beziehungsvermittler. Aufgrund dieser Konstellation stellt jeder Kontakt des aE zu Kindergarten, Lehrern, Freund(inn)en des Kindes, zu anderen Eltern eine Verunsicherung dieses über das Kind vermittelten sozialen Netzwerkes dar, das gegenüber dem aE rigoros abgeschottet wird: Der aE darf keine Gespräche mit der Kindergärtnerin führen, er wird von Schulfesten ferngehalten, der eE instruiert Lehrer, dem aE keine Auskünfte zu geben. Clawar und Rivlin (1991, S. 163) fanden, dass der eE den Kontakt des aE zum Kind eher so erlebt, dass ihm etwas weggenommen wird, als dass er eine Bereicherung für das Kind darstellt. Das soziale Umfeld wird vom eE aufgespalten in einen Personenkreis, der das Entfremdungsbestreben und die teils so erlebte, teils inszenierte Opferrolle des eE kritiklos unterstützt und in solche Personen, die Einwände gegen die Ausgrenzung des aE erheben. Sozialarbeiter, Richter und Gutachter werden für befangen erklärt, Berater/Therapeuten, Lehrer/-innen, Anwälte, Kirchenzugehörigkeiten, Bekannte/Freunde und Ärzte/Ärztinnen werden so lange gewechselt, bis solche gefunden sind, welche bereit sind, die aversive Haltung des eE gegenüber dem aE kritiklos zu teilen und zu bestärken. 1.3 Erziehungsverhalten ..... Die Infantilisierungsbestrebungen des eE drücken sich auch in Unterforderung und fehlender Förderung spezieller Fähigkeiten des Kindes aus. Das gegenläufige Engagement des aE wird als Überforderung gebrandmarkt und dem Kind der Eindruck vermittelt, dass der aE etwas Verkehrtes mit ihm unternehme. Dem Kind wird die meist natürliche Lust genommen, ihm der Spaß vergällt, bis es eine gleichgültige Haltung zum Engagement des aE einnimmt oder angibt, die zuvor gerne betriebenen Aktivitäten (meist Ausflüge, Sportarten, Liebhabereien) nicht mehr zu wollen. Diese Konfliktkonstellation ist durch die allgemein stärkere Förderung von Autonomiebestrebungen, mehr Freizeit-, Sport und Bewegungsaktivitäten seitens Vätern und vergleichsweise mehr Versorgungsaktivitäten seitens der Mütter, prädisponiert. .... Expressives und bedürfnisäußerndes Verhalten des Kindeswird vom eE oft als “Herumkaspern”, den “Willen haben wollen”, das Kind als ein “ganz Witziger, Pfiffiger” beschrieben. Es wird stets ‚von oben herab‘ gesehen, ein warmherziges Verhältnis zum Kind als eigener Persönlichkeit mit eigenen Rechten und Vorlieben fehlt. Die Alltagskommunikation zwischen eE und ihren Kindern stellt sich als Kette von Mikroreglementierungen dar, welche bis in die Wahrnehmungslenkung reicht (“Lass das jetzt”, “Das hast du eben schon gehabt”, “Hör auf damit”, “Guck mal dort den Vogel”). Reaktiver Unwille/Aggression des Kindes wird als Müdigkeit oder Überdrehtsein definiert, der provokative Charakter des eigenen Verhaltens ist ego-synton und wird nicht wahrgenommen. ... 1.4 Sprachstil Die Sprache des eE enthält einen neurotischen Code, der von einem narzisstischen Defizit zeugt: Der/die frühere Partner/ in wird als unzureichender Mutter-Ersatz geschildert. Aufgrund des Liebesmangels in seiner Kindheit bricht sich dieses Defiziterleben des eE via Übertragung in einer längeren und enger werdenden Beziehung stets aufs Neue Bahn. Kein noch so großer Eifer eines/einer Partner/in bei der Mithilfe im Haushalt und der Versorgung der Kinder wäre in der Lage, dieses “Loch im Ich” zu füllen. Zur Person des aE finden sich folgende Stereotype: Dieser sei psychisch gestört, sei in der Ehe fremdgegangen, er bezahle keinen Unterhalt, sei uneinsichtig, verbohrt, habe sich in seinen Ansichten verrannt, er locke das Kind mit viel zu viel Geschenken, verkehre in asozialen Kreisen, trinke, habe geschlagen, störe den Alltagsablauf, er ziehe über den eE her, der aE habe kaum Zeit für das Kind, könne mit dem Kind nicht spielen, er mache zu viele Aktionen, er solle erst mal Verantwortung übernehmen, er halte sich nicht an die Regeln des eE, die wenigen Wochenenden/Ferienwochen mit dem Kind wolle der aE dem eE nun auch noch wegnehmen; er quäle das Kind mit seinen Umgangswünschen, sehe nicht ein, dass es nicht will, er treibe sich in der Nähe des Hauses/Kindergartens/Schule herum; bespitzele den eE. Der Wunsch des aE, Kontakt zu seinem Kind zu halten, wird vom eE beschrieben als “Er lässt uns nicht in Ruhe”. Mit dem Satz “Er will die Kinder nur, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, er denkt gar nicht an die Kinder” wird der Eindruck erweckt, der aE missbrauche das Kind irgendwie, gleichzeitig werden dem Kind eigenständige Bindungen und Kontaktwünsche abgesprochen. ]1.5 Verhalten in der Trennungssituation ..... 1.6 Entfremdungstechniken und -phasen 1.... Ideologische Auswahl des thematischen Fokus häufig wird z.B. der Lebensstil des aE angegriffen, 2. Stimmungsveränderungstechniken einsetzen (moodinduction techniques) 3. Sympathie erzeugende Techniken (brainwashing): In diesen zwei Stadien werden Gefühle der Unterstützung, Trauer, Verständnis, Ärger oder andere Emotionen erzeugt, die eine Verbindung zum Kind erleichtern. Das “Programm” wird mit emotionaler Ladung versehen (verlassen, missbraucht, zurückgewiesen, ökonomisch ausgebeutet, unterdrückt, geschlagen, als dumm bezeichnet, lächerlich etc. gemacht worden zu sein). Das Kind dient als Vehikel, das innere Gleichgewicht wiederzufinden. In Interviews lassen sich diese “emotionalen Ladungen” bei Erheben der Beziehungs- und Trenungsgeschichte leicht identifizieren. Häufigste Techniken sind: a) einschüchtern und bedrohen, b) Schuldgefühle auslösen, c) “buy-off”, d) das Opfer spielen, e) suggerieren, dass der aE oder das Kind einsam und ängstlich ist, f) versprechen, sich oder die Situation zu ändern, g) Nachgiebigkeit, h) dem Kind “die Wahrheit sagen über frühere Ereignisse”. 4. Einhalten der Vorgaben (gaining compliance) 5. Die Effizienz testen (feedback assessment): 6. Loyalität messen (measuring loyality): 7. Eskalieren, Intensivieren, Generalisieren: Wenn die ersten sechs Stufen implementiert und erfolgreich “getestet” sind, werden die Themen erweitert, z.B. vom Lebensstil bis zum Freundeskreis, von mangelnder Erziehung bis zum Beruf des aE - letztlich alle Dimensionen des Lebens des aE. 8. Erhaltung (continuation/modification of particular brainwashing techniques): Wenn die Programme implantiert sind, genügen leichte Suggestionen oder Erinnerungen zur Erhaltung, wenn ein Richter, Psychologe oder der aE gegen die Beeinflussung arbeitet. Nach Gardner 1998, der neben diesen aktiven Techniken mehr den eigenen Beitrag des Kindes betont, gibt es auch geschlechtsspezifische Entfremdungstechniken. Mütter ....... - Jeder Wunsch nach Erweiterung des Kontaktumfanges ist “noch zu früh”, “es geht zu schnell”. Wenn nach erfolgreichem Umgangsboykott ein Gerichtsbeschluss die Wiederaufnahme des Umgangs mit dem aE anordnet, heißt es: “Das Kind muss sich erst langsam wieder an den Vater gewöhnen.” Tatsächlich lässt sich beobachten, dass auch nach längerer Kontaktunterbrechung (1/2 bis 1 Jahr) der Umgang in kürzester Zeit ungezwungen erfolgt ... - Das wenig ausgeprägte Zeitempfinden des Kindes wird genutzt: Zu einem anstehenden Umgangstermin, den das Kind zeitlich nicht berechnen kann, bietet der eE dem Kind ein attraktives Ereignis an (z.B. Kindergeburtstag) und teilt dem aE mit, der Termin müsse leider ausfallen, da das Kind gerne dorthin wolle. Besteht der aE auf seinem Besuchstermin, wird er als egoistisch bezeichnet. Im Unterschied zu kooperativen Eltern, welche jeweils einen Ersatztermin anbieten oder den aE das Kind zu dem Ereignis begleiten lassen, geht es eE darum, den Kontakt einzuschränken und mit jedem ausgefallenen Termin zu halbieren. - Typisch für die Anfangsphase eines Entfremdungsprozesses ist die Frage des eE an das Kind, es könne den aE selbstverständlich besuchen, “wenn du das gerne willst”. Gleichzeitig betont der eE : “Ich wäre die/der Letzte, die ihr/ihm da Steine in den Weg legen würde.” Die scheinbar auf den freien Willen abhebende Frage suggeriert dem Kind, der eE könnte sehr wohl Gründe haben, dass es den aE nicht besuchen solle und induziert damit erste Zweifel. .... Väter Grundsätzlich finden sich die für die Mütter beschriebenen Methoden auch bei entfremdenden Väter ..... Gemeinsames Ziel der verschiedenen Entfremdungstechniken ist es, die emotionalen Bindungen des Kindes an den aE zu zerstören. ..... Vor dem Hintergrund der Entfremdungstechniken im Zusammenhang mit dem Sorgerechts- oder Umgangsproblem wird deutlich, dass der Begriff “Elternstreit” (parental conflict) hier fehl am Platze ist: Der Elternteil, der das Kind an sich gebracht hat oder bei dem es vor der Trennung lebte, tritt nun aktiv als Angreifer auf, der aE gerät aufgrund fehlender Rechtsposition oder Durchsetzbarkeit in eine Opferrolle, sein Streitbeitrag resultiert zunehmend aus (reaktiven) Frustrationen. Der Entfremdungsdynamik entspricht damit weniger ein Streit-Paradigma, sondern eine Täter-Opfer-Beziehung. 2 Zum Persönlichkeitstyp entfremdender Elternteile und zu den Entwicklungsrisiken betroffener Kinder Wenn im Weiteren die Person des eE thematisiert wird, soll damit keine Gleichung vom Typ “eE ist krank - aE ist gesund” und damit ein Gewinner-Verlierer-Modell (Lund, 1995) suggeriert werden, sondern lediglich der den Entfremdungsprozess vorantreibende und damit das Kindeswohl schädigende Elternteil in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Frage nach den Persönlichkeitsstrukturen der aE, der Partnerwahl und Beziehungsdynamik bleiben eigenen Studien vorbehalten. 2.1 Entfremdendes Verhalten als Ausdruck einer Borderline- Persönlichkeitsstörung (Borderline Personality Disorder, BPD) Bei näherer Betrachtung der unter Punkt 1 phänomenologisch und psychodynamisch imponierenden Erlebens-, Denk- und Verhaltensmuster entsprechen die Selbst- und Fremdbeschreibungen von eE, deren Kinder mittlere bis schwere Entfremdungs- Symptome aufweisen, den Merkmalen und der Psychodynamik der Borderline-Persönlichkeit. .. a) Eine der ersten Beschreibungen von BPD stammt von Stern (1938, der Narzissmus (überhöhtes, aufgeblähtes Selbstbild), geringe Frustrationstoleranz bei Stress, Überreaktionen bei milder Kritik ...., beschrieb. b) Grinker et al. betonen Ärger als Hauptemotion, wenige persönliche Beziehungen, chronische Depression; Kernberg (1967 das falsche Ego (fassadäre Persönlichkeit) und die Spaltung in gute und böse Objekte (jemand ist “nur gut” , der/die andere “nur schlecht”). c) Nach dem psycho- und gruppendynamischen Ansatz (Ammon, 1979, S. 327 ff.) ist der Borderline-Patient nur schwer als psychisch krank zu erkennen, er funktioniert in der Arbeitswelt oft gut, kann mit sich selbst jedoch wenig anfangen, er hat ein Gefühl der inneren Leere, Verhaltensweisen können wie bei einer multiplen Persönlichkeit innerhalb weniger Stunden wechseln. Ein Defizit an Fürsorge und Liebe und eine repressiv-autoritäre und aufs Äußere bedachte Erziehung (Regeln, Grenzen setzen) zeichnen die ersten Lebensjahre späterer Borderline-Persönlichkeiten aus. Andererseits sind die sog. sekundären Ich-Funktionen wie Sprache, Denken, Gedächtnis und Intelligenz bei Borderline-Störungen oft gut ausgeprägt ... Dem Kind wird jedoch unbewusst ein Wahrnehmungs- und Kontaktverbot vermittelt, welches es am Verlassen der Symbiose mit der Mutter hindert (vgl. “narzisstischer Missbrauch”). Es darf “die Realität nur mit den Augen der Mutter wahrnehmen, d.h. im Sinne der Bedürfnisse der Mutter”. Stimmungsmäßig ist ein Umkippen fantasierter Omnipotenz in tiefe Minderwertigkeitsgefühle bei Konfrontation mit der Realität zu beobachten; Versuche von eE, die Umgebung zu lähmen, Eindeutigkeit und Klärung zu vermeiden, sind im Rahmen von Beratungs-, Therapie- und Gerichtssituationen häufig zu beobachten. Mangels eigener Identität leihen sich Borderline-Persönlichkeiten denkerisch die jeweilige Position von anderen: “Der Borderline-Patient projiziert eigene Gefühle, Ängste und Probleme auf andere Menschen und verhält sich dann entsprechend seiner projektionsbedingten Realitätswahrnehmung.” .... Da der eE nur formal (Versorgung), jedoch nicht emotional für das Kind verfügbar ist, fehlt ihm ein gefühlsmäßiger und kognitiver Spiegel, Selbst- und Objektrepräsentanzen differenzieren sich nicht aus, es imponieren zeitweise tranceartige Zustände. .. d) Die am häufigsten verwandte Symptomliste ist das DSMIV mit neun Leitsymptomen: 1. Große Anstrengungen, Verlassenheit zu vermeiden (Verlassenheitsängste auch nach Kurzzeitkontakten, Panik, wenn jemand zu spät kommt) 2. Instabile und intensive persönliche Beziehungen (rascher Wechsel von anfänglicher Idealisierung zu Abwertung) 3. Identitätsverwirrung und instabiles Selbstbild 4. Selbstschädigende Impulsivität (z.B. Verschwendung, Sexualität, Drogenmissbrauch, gefährliche Fahrweise) 5. Suizidale und Selbstverstümmelungs-Tendenzen 6. Affektive Instabilität (dysphorische Grundstimmung wechselt mit Ärger, Panik, Verzweiflung, Depression) 7. Chronisches Gefühl der Leere 8. Unangemessener Ärger 9. Stressabhängig paranoide oder dissoziative Symptome Im Rahmen von Sorgerechts- und Umgangsstreitigkeiten ist das Vorliegen der Borderline-Symptome und -Psychodynamik mit den Abwehrmustern der Projektion, Spaltung, Verleugnung und anfänglicher Idealisierung bei den eE anhand folgender Merkmale zu erkennen: • den Erlebensbeschreibungen aus der Vorgeschichte der Beziehung • den Hauptkonflikten während der Beziehung (“ewiges Hin und Her”, Kommunikationsstörungen, Gewaltepisoden) • den Ausführungen zum Trennungsprozess (“Angst”, “Gewalt”, fehlende Selbstkritik) • dem Erziehungsstil (anpassungs- und regelorientiert) • den Beschreibungen der “Defizite” des aE (“kümmerte sich nicht genug um mich”) • den (irrationalen) Begründungen für Umgangsboykott oder Ausgrenzung des aE • der Beschreibung der Beziehung des eE zum Kind (“Schmusen”, “findet mich gut”, narzisstische Bestätigung) • Der Kommunikationsstil mit dem Kind entspricht dem “double-bind”-Muster: Das Kind wird tendenziell handlungsunfähig bzw. im ‚eigenen Willen’ verunsichert, wenn ihm auf zwei Kommunikationskanälen widersprüchliche Botschaften vom eE gesandt werden, z.B. verbal: “Ich wäre die Letzte, die xy den Umgang mit dem Vater verwehren würde” oder: “Wenn du willst, kannst du deinen Vater jederzeit anrufen”. Nonverbal: Ärgerliche Reaktionen bei Anrufen oder Schweigen beim Thema aE, Weinen und Verstimmtheit des eE bei Übergaben des Kindes an den aE. .... Eine geringe Bereitschaft, mit dem anderen Elternteil und zum Wohle eines Kindes zu kooperieren, fanden auch Ehrenberg et al. (1996) bei Eltern mit narzisstischen Störungen. ...... Die Schwierigkeit, eE als Borderline-Persönlichkeiten zu erkennen, besteht wie bereits erwähnt in deren chamäleonhafter Anpassungsfähigkeit, sie sind redegewandt und “normaler als normal”, fühlen sich erst in dem Moment bedroht, wenn die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil thematisiert und auf den Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil als ein Recht des Kindes aufmerksam gemacht wird. Die für eE typische Distanzlosigkeit und das Saugende im Kontakt mit ihnen, ihre abstrakt-entseelte Sprache (“immer”, “nur”) und Unfähigkeit zu selbstkritischer Reflexion sind auch charakteristisch für Suchtverhalten, das das Leeregefühl reduziert... Anstelle eines Suchtstoffes ist es hier das abhängige Kind, das dem eE ein grandioses Selbstgefühl verschafft, mit dem er seine Selbstunsicherheit kompensiert und das ihm Selbstbestätigung sichert. Wird eE durch Kontaktansprüche des aE (Umgang, Sorgerecht) das Suchtmittel Kind auch nur zeitweilig entzogen, reagieren sie ebenso panikartig und mit vegetativen Begleitsymptomen wie Drogenabhängige in der Entzugsphase. .... Es ließen sich zusätzlich sechs Risikotypen identifizieren: .... 2. Wenn ein Elternteil Missbrauchsvermutungen äußert und ernsthaft glaubt, der andere Elternteil vernachlässige oder missbrauche ein Kind. Es wird dann versucht, das Kind durch Umgangsbehinderungen oder Entführung zu “retten”. 3. Paranoide Wahnbildungen über den anderen Elternteil, z.B dass dieser mit dem Kind Gehirnwäsche betreibe. Ferner Gefühle, früher betrogen und ausgebeutet worden zu sein, Rachegefühle. 4. Vorliegen psychopathischer Züge, Selbstbezogenheit, hochgradig manipulativer Umgang, Überzeugung eigener Überlegenheit, meist vor dem Hintergrund häuslicher Gewalt in der eigenen Kindheit. Das Kind kann nicht als eigenständiges Wesen wahrgenommen werden, sondern als Instrument der Rache oder als Trophäe. 6. Eltern ohne Kenntnisse der Rechtslage; mit schlechten Vorerfahrungen mit Familiengerichten; Angehörige ethnischer Gruppen mit speziellen Erziehungsidealen; außereheliche Mütter mit kurzem Kontakt zum Vater betrachten das Kind als exklusives Eigentum; Opfer tatsächlicher häuslicher Gewalt seitens des anderen Elternteils. ]2.2 Narzisstischer Missbrauch Wie bereits erwähnt ist für die Borderline-Persönlichkeit ein Gefühl innerer Leere typisch, das mit dem allgegenwärtigen Bestreben kompensiert wird, Bestätigung und narzisstische Zufuhr zu erhalten, weshalb der entfremdende Elternteil sich an das Kind wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm klammert. Heyne (1993) charakterisierte die für ein Kind daraus resultierende Psychodynamik treffend als narzisstischen Missbrauch und schildert anschaulich die Verhaltens- und Erlebensweisen: “Hierunter verstehe ich Beziehungskonstellationen zwischen Mutter und Kind, in denen die Befriedigung der narzisstischen Bedürfnisse der Mutter unter Ausnutzung der Abhängigkeit des Kindes im Vordergrund steht. Narzisstisch ausbeuterische Beziehungen zeichnen sich durch ihren symbiotischen Charakter aus: Das Kind ist sozusagen ein von der Mutter geschaffenes ‚Ding’, das sie wie einen unabgegrenzten Teil ihrer selbst erlebt, über den sie beliebig verfügen kann. Sie kann das Kind nicht als eigenständiges Wesen wahrnehmen und in seiner Eigenart anerkennen; statt dessen stülpt sie ihm narzisstische Bedeutungen über, die auf ihre eigene Person bezogen sind; sie idealisiert das Kind und spricht ihm Eigenschaften und Verhaltensweisen zu, die allein ihren Vorstellungen darüber, wie das Kind sein sollte, entspringen. Das Kind hat in einer solchen Beziehung die Aufgabe, das als mangelhaft empfundene Ich der Mutter zu vervollständigen und das ‚Loch im Ich’ der Mutter wie eine Plombe zu füllen. Zuwendung erfährt es nur, insoweit es den Erwartungen der Mutter entspricht. Autonomiebestrebungen des Kindes werden unterbunden, bestraft und mit der Erzeugung von Schuldgefühlen belastet bzw. nur soweit zugelassen, wie sie im Dienste der mütterlichen Bedürfnisbefriedigung narzisstisch ausbeutbar sind. Jedes Abweichen von den Erwartungen der Mutter wird von ihr als verletzender oder aggressiver Akt, als Ausdruck der Verrats empfunden. Innere wie äußere Trennungen aber müssen um jeden Preis vermieden werden. Daher entbrennt ein Machtkampf nicht nur hinsichtlich des Verhaltens des Kindes, sondern auch hinsichtlich der Kontrolle seiner Gefühle und Gedanken. Die Mutter ist davon überzeugt, das Kind besser zu kennen, als es sich selber kennt. Besser als das Kind meint sie zu wissen, was es wirklich denkt, fühlt, will und braucht und was es demzufolge zu denken, zu fühlen, zu wollen und zu tun hat. Es reicht ihr aber nicht aus, wenn es sich ihren Erwartungen lediglich beugt: Es soll selber wollen, was es soll, sich also ganz und gar mit dem Bild, das sie von ihm entworfen hat, identifizieren, und sei es ihm auch noch so wesensfremd. Negative Gefühle wie Verletztheit, Ärger, Wut und Haß sind dem Kind nicht bzw. nur insoweit, als sie auch für die Mutter einen Zweck erfüllen, gestattet, da sie eine Art von Abgrenzung darstellen, die Konflikt und damit zumindest vorübergehend innere Trennung mit sich bringt. Hinsichtlich eigener Gefühle und Bedürfnisse unterliegt das Kind einem regelrechten Denk- und Wahrnehmungsverbot, und da es sie weder wahrnimmt noch zum Ausdruck bringen darf, erlebt es diese Gefühle als nicht zu sich gehörig und insofern als unwirklich. Irgendwann wird es sie schließlich gar nicht mehr identifizieren können; statt dessen wird es fühlen, was es meint fühlen zu müssen, und diese fremdbestimmten Regungen wird es mit authentischen Gefühlen verwechseln ...” Da das Kind wie ein lebendes Antidepressivum mittels Rollenumkehr (Parentifizierung) die emotionale Leere des eE (entfremdenden Elternteils) ausfüllt, entstehen bei ihr/ihm Therapiemotivation und Leidensdruck erst, wenn die symbiotische Bindung an das Kind durch einen gesicherten Umgang mit dem anderen Elternteil aufgelockert ist und die Verlustangst unmittelbar gespürt werden kann. Jedes Mitagieren mit den Ausgrenzungsabsichten des entfremdenden Elternteils stellt hier einen behandlungstechnischen Kunstfehler dar und belastet das Kind weiter... 2.3 Entwicklungsrisiken für Kinder von Borderline-Elternteilen ... Borderline-Mütter fühlen sich von den Kindern überwältigt, ganz normale Bedürfnisse des Kindes erleben sie als Forderungen, auf die sie mit Ärger reagieren (Holman, 1985). Eigene Erregungszustände werden in das Kind projiziert, sie sind unfähig, das Kind vor traumatischen Stimuli zu schützen und Nähe/Distanz angemessen zu regulieren. ... Zusätzlich zur negativen Identifikation mit der Mutter hatten die Nicht-Borderline-Patienten alternative Rollenmodelle, vor allem Väter, die psychosozial kompetenter als die Mütter waren. Insbesondere im Kontakt zu Müttern, welche Probleme mit dem Loslassen und der Individuation der Tochter haben, benötigt diese den Vater, um die symbiotische Bindung zur Mutter aufzulösen und eine eigene Identität entwickeln zu können. Der von Fthenakis zusammengefasste internationale Forschungsstand unterstreicht die protektive Wirkung des Kontaktes zum anderen Elternteil: Je mehr Kontakt ein Kind z.B. zum eigenen Vater (in geringerem Maße zu einem sozialen Ersatzvater) hat, desto weniger funktionsmindernd wirken sich Trennung/Scheidung auf fast alle psychologischen Funktionsbereiche (kognitiv, affektiv, Sozialbeziehungen, Selbstsicherheit, Sexualität, soziale Anpassung etc.) aus. ... 3. Interventionsgrundsätze 3.1 Soziale und normative Rahmenbedingungen Voranzuschicken ist, dass die aus der Borderline-Dynamik entspringenden Entfremdungstechniken nur dann ihre volle Wirksamkeit entfalten können, solange • allgemein verfügbare Ideologien und Rechtfertigungen bestehen, wie z.B. männer- und väterfeindliche Ideologien, bestimmte Erziehungsideale, Mütterlichkeits-Mythos etc.; • entfremdendes Verhalten von Bezugspersonen/Institutionen toleriert oder unterstützt wird (z.B. Ärzte, Lehrer, Jugendleiter, Gerichte, Freundeskreis); • Gesetzesnormen, Rechtsauslegung und Gerichtspraxis entfremdende Praktiken bagatellisieren und ggf. vorhandene Sanktionsmöglichkeiten nicht einsetzen. ..... 3.2 Individuelle Interventionen und Beratung[ Bei Beratungsgesprächen, gegenüber Ärzten, Lehrern oder bei gerichtlichen Anhörungen stellen sich eE in sehr spezifischer Weise dar, um sich Zustimmung zu sichern und sie in ihr realitätsverzerrtes Netzwerk gegen den aE einzubinden: Sie sprechen wenig (die angeblichen Tatsachen sollen statt ihrer sprechen), sie wirken bedrückt und erzeugen Impulse, sie aufzumuntern; sie stellen sich als hilfsbedürftig, schwach, bedauernswert dar; der Blick wird tränenumflort, sobald das Thema auf den Kontakt des Kindes zum aE kommt, es setzen Weinkrämpfe ein und es werden absurde Besorgtheitsmotive geäußert, etwa das Kind “könne ohne den eE nicht auskommen, wenn es mit dem aE in Urlaub führe”. Die latente Botschaft jeder verbalen und nonverbalen Äußerung lautet, dass es dem eE und dem Kind besser ginge, wenn der aE nur aus ihrer Welt verschwände. 3.2.1 Psychodynamik/Gegenübertragung Bei Adressaten, die die Borderline-Psychodynamik als Hintergrund dieses Selbstdarstellungs-Szenarios beim eE nicht kennen und ihre Gegenübertragungsreaktionen nicht reflektieren, treten nun Schuldgefühle auf: Sie aktivieren einen Beschützerreflex gegenüber dem eE. Sie neigen dazu, der Verführung der vom eE suggerierten Problemlösung zu erliegen, und beginnen selbst, den aE auszugrenzen bzw. negativ zu bewerten. Per Identifikation mit dem eE entwickeln sie oftmals eine regelrechte Wut auf den aE. Aufgrund der massierten Präsentation von Opfermotiven durch den eE ....erliegen im sozialen Bereich Tätige (auch: Richter, Verfahrenspfleger) leicht dieser Verführung, die als Problemlösung anbietet, den aE (anderen Elternteil) als Ursache allen Übels auszugrenzen, anstatt das Kind zu schützen und gegenüber dem eE eine konsequent Grenzen setzende Haltung zu entwickeln... ...In dem Maße, wie der Adressat den vom eE bei ihm induzierten Impulsen (Gegenübertragung) nachgibt und der eE sein gewünschtes Ziel erreicht (z.B. eine Krankheitsbescheinigung für das Kind am Umgangswochenende, einen Bericht des Jugendamtes, in dem der Umgang des aE abgelehnt oder das Sorgerecht für den eE empfohlen wird, ein für den aE negatives Sachverständigengutachten), wird das Kind dem emotionalen Missbrauch des eE weiter bzw. verstärkt ausgesetzt. Für alle Berufsgruppen, die mit eE zu tun haben, ist die Kenntnis der Borderline-Psychodynamik daher unerlässlich, um die genuinen Interessen des Kindes auf unbeschwerten Kontakt zu seinen beiden Eltern konsequent vertreten zu können. Dem Verführungspotenzial der vom eE angebotenen Problemlösung “Ausgrenzung des aE” erliegen vermutlich auch deshalb viele professionelle Akteure, da es den Anschein hat, der Fall könne damit kurzfristig gelöst werden: ein fataler Irrtum, da entweder ein Kind seelisch verkrüppelt auf der Strecke bleibt oder die Aktivitäten des aE nur weiter angeregt werden .... 3.2.2 Gruppendynamik: Die für Borderline-Persönlichkeiten typische Fähigkeit zum Spalten und zu gegenseitigem Ausspielen seiner Bezugspersonen erfordert eine enge Koordination zwischen den beteiligten Institutionen. Andernfalls geraten Sozialarbeiter, Lehrer, Kindergärtnerinnen, Richter, Ärzte etc. untereinander in Streit, nachdem der eE jedem Beteiligten eine andere Version eines Sachverhaltes berichtet hat. Die hohe Sensibilität des eE, ein in einer Situation erwünschtes Verhalten zu zeigen, und seine Verführungskünste, erzeugen beim Adressaten einen unangenehmen Druck in Momenten ja zu sagen, wo ihm sein spontanes Gefühl und gesunder Menschenverstand ein Nein eingeben, z.B. wenn als Begründung für einen Umgangsboykott ein triviales, aber szenisch-emotional aufgeladenes Argument vorgetragen wird (der aE “überfordere das Kind mit zuviel Aktionen”, es könne bei weniger Kontakt zum aE “auch noch andere Kontakte haben”). Nur ein fortwährendes Sich-bewusst-Halten solcher Gegenübertragungsempfindungen schützt davor, den Ansinnen des eE nachzugeben. 3.2.3 Interventionsansätze: ....Manche Sachverständige und Therapeuten fördern den Entfremdungsprozess, indem sie empfehlen, den Kontakt aE/Kind aufzuschieben, bis via Psychotherapie beim Kind wieder positive Gefühle gegenüber dem aE auftauchen. Warshak (2000) vergleicht diese Einstellung damit, ein Kind mit Schulphobie so lange zu Hause zu lassen, bis es seine Angst überwindet. Der wichtigste Rat für einen aE sei es, möglichst rasch wieder regelmäßigen Kontakt zum Kind herzustellen. ... Die in Gerichtsbeschlüssen oder in Anhörungen gegebene Empfehlung an eE und aE, sich zunächst einmal in Beratung zu begeben und danach über Umgangs- bzw. Sorgerechtsregelungen weiter zu verhandeln, stellt daher einen folgenschweren Kunstfehler dar: Das Kind wird nicht nur weiter dem Einfluss des eE ausgesetzt, sondern dieser verstärkt sich auf vielfache Weise, da der eE nun ständig neue Tatsachen präsentieren möchte, aus denen der aE als Ursache für die Ablehnung des Kindes erkennbar wird. Konventionelle Psychotherapie und Beratung verstärken lediglich die Konfliktdynamik. Grundsätzlich müssen Interventionen beim eE aufgrund seines labilen Selbstwertgefühls stets von einem Gleichgewicht an sachlich-aufklärender Konfrontation und konsequenter Grenzsetzung einerseits und empathischer Wertschätzung seiner Person andererseits getragen sein. Wie eine Psychotherapie bei einem Alkoholiker erst nach der Entzugsphase indiziert ist, so ist die Psychotherapie bei eE erst dann erfolgversprechend, wenn er seine Gefühle innerer Leere und aufkommender Wut nicht mehr an Kind und aE ausleben kann... Technisch gesehen geht es – wie bereits erwähnt - bei Interventionen und Therapie mit eE aufgrund ihrer Ich-Schwäche, geringen Frustrationstoleranz und Angst vor Kritik um ein ausgewogenes Verhältnis von grenzsetzender Bestimmtheit (Deklarationen - keine Diskussionen) und persönlicher Wertschätzung, da sich ansonsten der eE entzieht und eine Intervention/ Therapie scheitert. Hilfreich ist es, sich im Kontakt mit dem eE bewusst zu halten, dass es sich um in ihrem Selbstwertgefühl schwer gestörte Menschen handelt, um sich nicht von entgegenkommender Angepasstheit, gewandtem Ausdruck, Intellekt und scheinbar intakter Alltagsbewältigung (Arbeit, saubere Wohnung, keine Schulden) verführen zu lassen. Bei Interventionen im Rahmen von Umgangs- und Sorgestreitigkeiten bedeutet dies, dem Ansinnen des eE schon im Frühstadium dergestalt entgegenzutreten, dass ihm/ihr das Destruktive deutlich vor Augen geführt, das Unmoralische des Handelns betont wird und [u]konsequente Sanktionen (Null-Toleranz) in Aussicht gestellt werden. Erfährt der eE keine Grenzsetzung von Institutionen oder sozialem Umfeld, erlebt er dies im Sinn einer Belohnung, die entfremdenden Strategien werden dann verstärkt fortgeführt und weitere Personen/ Institutionen in das Szenario des eE involviert. Da Borderline-Persönlichkeiten zwischen Realität und ihren Gefühlen schwer zu unterscheiden vermögen, betont Masterson ...ein konsequentes, positives, an der Realität orientiertes Vorgehen, man dürfe den “projizierten Emotionen ... keinen Raum geben und sie dadurch verstärken”. Andernfalls wird der Therapeut, Arzt, Richter oder Sozialarbeiter dazu gebracht, die vorgetragenen Gefühle mit der Realität zu verwechseln... 4 Literatur ..... Dr. Walter Andritzky Psychologischer Psychotherapeut, Psychologischer Sachverständiger in Familiensachen Kopernikusstr. 55 • 40225 Düsseldorf Seite 166, Psychotherapie 7. Jahrg. 2002, Bd. 7, Heft 2 Lug und Trug gilt als verbürgte Wahrheit, während man die Wirklichkeit nur vom Hörensagen kennt. (Thoreau: Walden)
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